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Gesund werden auf dem Pferd

Therapeutisches Reiten kann bei Krankheiten helfen

Von Mika Beuster (06441) 95 95 59

Mengerskirchen-Dillhausen. „Jetzt die rechte Hand zum linken Fuß", ruft Reitlehrerin Birgit Bartels. Sie steht in der Mitte der Reithalle und gibt der zehnjährigen Ilona Anweisungen. Das Mädchen sitzt auf „Schlawinchen". Ilona streckt die Hand zögerlich in Richtung Fuß. Gar nicht so einfach, bei dem Auf und Ab des Tieres. Ständig muss sie die Bewegung ausgleichen, die Balance halten. Diese Bewegung auf dem Pferd kann heilen beim Therapeutischen Reiten. 

In dem Heft „Gesund", das heute dieser Zeitung beiliegt, könnt ihr etwas über eklige Tiere in der Medizin lesen. Tiere können heilen. In der Medizin werden sie immer häufiger eingesetzt, Blutegel auf der Haut, Behinderte, die mit Delfinen schwimmen. Aber auch Pferde können eingesetzt werden,  um Menschen zu helfen.

Drei Grundformen des therapeutischen Reitens unterscheidet der Reiterverband „Deutsche Reiterliche Vereinigung" FN). Die Hippotherapie (von dem Griechischem „Hippo“ = Pferd) ist eine Ergänzung zur Physiotherapie bei der speziell ausgebildete Pferde eingesetzt werden. Ziel des heilpädagogischen Voltigierens und Reitens ist eine ganzheitliche

Entwicklungsförderung und Einfluss auf den allgemeinen Gesundheitszustand. Zielgruppe sind Kinder Jugendliche

oder Erwachsenen mit Behinderungen, Störungen oder Entwicklungs-Verzögerungen.

Außerdem kann Reiten als Sport von Behinderten Menschen ausgeübt werden. Dann steht nicht die Therapie im

Vordergrund, sondern die sportliche Betätigung. Die 38-jahrigeReitlehrerin Birgit Bartels aus Dillhausen
(Kreis Limburg-

Weilburg) ist im heilpädagogischen Reiten ausgebildet.

Sie hat eine physiotherapeutische Ausbildung und Kurse in Hippotherapie.

„Das Pferd dient bei der Therapie als Medium", erklärt die 38-Jährige. Das Tier wird als Hilfsmittel benutzt,
um Menschen zu helfen.

Durch die Bewegungsübertragung in der Gangart Schritt wird die Haltung des Reiters geübt, die Balance und
der Gleichgewichtssinn trainiert, so die Reitlehrerin, während sie ihre Schützlinge auf dem Pferd beobachtet.
Das Military-Pferd „Schlawinchen" sei ideal für den Einsatz als Therapie-Pferd.
„Das Tier darf nicht zu behäbig sein, aber auch nicht zu sehr nach vorne drängen", sagt Bartels.

Ilona hat mittlerweile ihre beiden Füße über Kreuz mit den Händen erreicht und ist sichtlich stolz, die Balance gehalten zu haben. Nun soll die Schülerin mit einem Gummiball den Hals und danach das Hinterteil des Pferdes massieren.

„Noch mehr nach hinten rein setzen", weist Bartels ihre Schülerin an. Die muss den Rücken aufrecht halten, während das Pferd anfängt zutraben," Jetzt muss die Reiterin die Bewegung des Pferdes ausgleichen, dazu benötigt sie alle Muskeln", erklärt die Reitlehrerin. Während das Pferd anfängt zu schnauben ist auch der Reiterin die Anstrengung
aus dem Gesicht abzulesen. „Die ständigen Bewegungs-Korrekturen trainieren die Muskulatur des Reiters", sagt Bartels. Fehlhaltungen werden so bekämpft.

 

Das therapeutische Reiten kann bei vielen Problemen helfen", erklärt Birgit Bartels.„Die Frühförderung von Kindern ist nur der Anfang, so Bartels. Entwicklungs-Verzögerungen könnten durch das Reiten ausgeglichen werden.
„Vor allem, was die Motorik, also die Bewegungsfähigkeit des Körpers angeht, können durch die Reittherapie große Erfolge erzielt werden", sagt Bartels.

 

Durch die Bewegungen des Pferdes wird die Muskulatur trainiert

 

Aber auch Haltungs-Probleme, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen können zu den Gesundheitsproblemen gehören die mit gezieltem Einsatz von Pferden behandelt werden können. Und diese Therapie mit Pferden ist in jedem Alter möglich.

„Es gibt keine Altersbeschränkungen", sagt Bartels. Schon kleine Kinder könnten auf ein Pferd gesetzt werden. Auch ältere Menschen können von einer Behandlung mit Pferden noch profitieren. „Aber auch Menschen mit Behinderungen können eine Reittherapie machen", sagt Bartels. Denn Patienten, die normalerweise im Rollstuhl sitzen, würden von der Bewegung des Pferdes her aufgefordert. „Sie müssen auf dem Pferd mit allen Muskeln arbeiten, die Bewegungen auszugleichen. Und das Schaukeln des Pferdes aktiviert den Körper", so Bartels.

Auch bei seelischen Behinderungen seien die Pferde eine geeignete Medizin. Der Umgang mit den Tieren, der Kontakt zum Pferd, das Gefühl ganz oben zu sitzen, das wirkt sich auch auf die Seele aus, so Bartels.

Ein Neben-Effekt der Reittherapie sei, dass die Kinder und Jugendlichen, aber auch die erwachsenen Patienten, Verantwortung lernten. „Die Tiere sind Lebewesen und kein Therapie-Gegenstand: Sie müssen Verantwortungsvoll behandelt werden. Auch das trägt zu der ganzheitlichen Therapie bei", erklärt Bartels.

Während früher die Krankenkassen die Kosten für das therapeutische Reiten - übernommen hätten, so müssten heute die Patienten selber für die Stunden aufkommen. „20 Minuten hat eine Einheit in der Regel", so Bartels.

Wenigstens einmal in der Woche auf dem Pferderücken sollte es schon sein, damit Erfolge erzielt werden könnten, so die Reitlehrerin.

Die Kosten betragen 60 bis über 100 Euro im Monat. Neben den medizinischen Vorteilen der Reit-Therapie hat die Pferde-Medizin aber auch noch andere Vorteile. „Das hat Spaß gemacht", sagt Ilona, als sie vom Pferd steigt.